Home Museum digital Abtauchen in benachbarte Gewässer nach Sachsen – gut geschmückt mit der vogtländischen Perle #perlenfischen

Abtauchen in benachbarte Gewässer nach Sachsen – gut geschmückt mit der vogtländischen Perle #perlenfischen

by Sabine Wieshuber

Zu unserer laufenden Blogparade #perlenfischen dürfen wir heute einen in mehrerlei Hinsicht besonderen Gast auf unserem Blog begrüßen – denn gut gehütet liegt im Vogtland ein Museumskleinod: Das Perlmutter- und Heimatmuseum Adorf. Außerhalb der Reihe stürzen wir uns heute in fremde Gewässer im benachbarten Sachsen – doch wen die Aussicht auf eine lange Reise schreckt, der kann ganz beruhigt sein – Adorf liegt nur wenige Kilometer hinter der bayerisch-sächsischen Grenze!

Ein Gastbeitrag von Dirk Heinze, Tourismusverband Vogtland e.V., in Kooperation mit Steffen Dietz, Perlmutter- und Heimatmuseum Adorf

Gut geschmückt mit der vogtländischen Perle

Im einstigen Zentrum der deutschen Perlmutterwarenherstellung befindet sich heute Deutschlands umfangreichste museale Sammlung mit über 900 Exponaten. Hier im sächsischen Vogtland, genauer gesagt im Perlmutter- und Heimatmuseum Adorf, lernt man mehr zum faszinierenden Naturrohstoff Perlmutter und dem kunsthandwerklichen Geschick der Muschler. Wer hätte damals in den vogtländischen Gewässern so einen Schatz vermutet?

Abtauchen in benachbarte Gewässer nach Sachsen - gut geschmückt mit der vogtländischen Perle #perlenfischen

Da funkelt und glitzert es in der Ausstellung des Perlmutter- und Heimatmuseums Adorf, Foto: Perlmutter- und Heimatmuseum Adorf

Das natürliche Vorkommen der Flussperlmuscheln wurde bereits im Mittelalter entdeckt. Doch erst im Jahre 1566 konnte man die ersten Funde bestätigen, in dessen Folge ein Jahr später der damalige Kurfürst von Sachsen die ersten Perlensucher beauftragte. So gab es in der Blütezeit um die 100.000 Flussperlmuscheln im deutsch-böhmischen Gebiet. Wertvoll ist die Perle vor allem, da sie in circa 25 Jahren nur etwa vier Millimeter wächst. Nur in jeder 3000sten Flussperlmuschel wurde auch eine Perle gefunden. Winzig klein liegt die Perle in ihrem sicheren Gehäuse der Muschel. Ungestört fließt das klare saubere Wasser an ihr vorbei. In wunderschöner reinweißer Farbe und hellem Glanz erstrahlt die Perle – bereit, eine neue Aufgabe zu tragen. Die bekannteste Halskette mit 177 der schönsten vogtländischen Perlen befindet sich heute im Grünen Gewölbe in Dresden.

Abtauchen in benachbarte Gewässer nach Sachsen - gut geschmückt mit der vogtländischen Perle #perlenfischen

Eine Illustration zur Flussperlmuschel und den darin schlummernden Perlen aus Brehms Tierleben. Foto: Wikimedia

Leider führte die zunehmende Industrialisierung ab dem 19. Jahrhundert zum Aussterben der Muschelbestände, so dass 1927 die Perlenfischerei eingestellt wurde. Doch schon Jahre zuvor fand die „Mutter der Perle“ Beachtung und ließ ein neues Handwerk im Vogtland entstehen. Moritz Schmirler aus Oelsnitz begann die heimischen Schalen der Perlmutter zu schleifen und polieren und läutete somit die Ära der Perlmutterwarenherstellung ein. Es entstanden beispielsweise kleine Portemonnaies und Broschen, aber auch Musikinstrumente wurden später damit verziert. Einen richtigen Aufschwung nahm dieses besondere Handwerk mit der Einfuhr von größeren Muscheln und Meeresschnecken aus aller Welt. Tonnenweise wurde dieses Material im vogtländischen Städtchen Adorf verarbeitet. Zu Glanzzeiten gab es bis zu eintausend Beschäftigte in diesem mittlerweile entwickelten Industriezweig. Adorf schaffte es im Jahre 1891 zur Ehrung als „Deutsche Perlmutterstadt“.

Länderübergreifende Projekte befassen sich gegenwärtig mit dem Schutz und der Aufzucht der selten gewordenen Flussperlmuschel im Vogtland. Das Museum befindet sich im einzigen, heute noch erhaltenen Stadttor der Region. Hier soll in den nächsten Jahren mit einem Anbau ein Erlebniszentrum Perlmutter entstehen.

P.S.: Es gibt übrigens auch ein Bayerisches Vogtland, im oberfränkischen Hof sogar ein Museum Bayerisches Vogtland. Das Vogtland ist eine Vierländerregion aus sächsischem, thüringischen, böhmischen und eben bayerischen Vogtland. Auch bekannt als Euregio Egrensis, abgeleitet von der Stadt Eger, heute Cheb, einst freie „staufische“ Reichsstadt, zugehörig dem Bistum Regensburg.

Abb. ganz oben: Ein mit Perlmutt besetztes Schiffsmodell, Foto: Perlmutter- und Heimatmuseum Adorf

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