Home Ausflugsperlen Auf den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.

Auf den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.

by Anna Blenninger

Nachtmensch, Träumer, Technikfan – König Ludwig II. (1845-86) von Bayern ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der bayerischen Geschichte, nicht nur wegen seiner Schlösser. „Ein ewig Rätsel bleiben will ich mir und anderen“ , schrieb Ludwig einst selbst. Er träumte von vergangenen Zeiten und war begeistert von der neusten Technik, er wohnte bevorzugt in völliger Abgeschiedenheit und war doch ein gewissenhafter Staatsmann. Zudem lebte Ludwig in turbulenten Zeiten: Die Industrielle Revolution, die Deutschen Einigungskriege und der schleichende Machtverlust der bayerischen Krone sind nur einige der einschneidenden Ereignisse, die seine Aufmerksamkeit als Monarch forderten. Auch die Umstände seiner Absetzung und seines Todes im Starnberger See sind bis heute nicht abschließend geklärt. War es ein gescheiterter Fluchtversuch, Selbstmord, gar Mord?

Glühende Bewunderer, Mythen und Legenden gab es bereits zu Ludwigs Lebzeiten zur Genüge, doch nach seinem Tod brodelte es nur so in der Gerüchteküche. Was war mit dem geliebten „Kini“ geschehen? Die Verehrer*innen des Königs gibt es heute noch. Vor seinem Sarg in der Gruft der Michaelskirche in München werden regelmäßig Blumen niedergelegt – wie für einen Rockstar. Auch Forscherinnen und Biografen arbeiten sich immer wieder an ihm ab – sei es wegen seiner Homosexualität, die bereits zu seinen Lebzeiten als offenes Geheimnis galt (die Verlobung mit seiner Cousine Sophie Charlotte in Bayern hielt nur kurz), seiner möglichen psychischen Erkrankung oder seiner ungebremsten Technikbegeisterung. Ludwigs Ideen waren visionär und trafen häufig auf Unverständnis: Jahre vor den ersten Flügen von Otto Lilienthal und den Brüdern Wright träumte er davon, in einer goldenen Pfauengondel quer über den Alpsee zu fliegen – für die damalige Zeit ein Ding der Unmöglichkeit. Kein Wunder, dass ihn manch einer einen Narren nannte.

Viel von der Welt gesehen hat König Ludwig nie – die Inspiration für seine Fantasiewelten stammte aus Geschichte, Kunst und Literatur. Akribisch überwachte er jedes Detail ihrer Verwirklichung, änderte viele Male Baupläne und Entwürfe ab. Wie Zeitmaschinen sollten seine Schöpfungen ihren Bewohner in fantastische Welten versetzen, sei es in die der mittelalterlichen Sagen, an den Hof des französischen Sonnenkönigs oder in den Palast des türkischen Sultans. „Oh, es ist notwendig, sich solche Paradiese zu schaffen, solche poetische Zufluchtsorte, wo man auf einige Zeit die schauderhafte Zeit in der wir leben, vergessen kann.“, erklärte Ludwig selbst. Niemand sollte unbefugten Zutritt zu seinen Schlössern haben – Ludwig hatte sogar deren Sprengung nach seinem Tod angeordnet. Zum Glück leisteten die Beamten seinem Befehl nicht folge, denn so könnt ihr dem Zauber des Märchenkönigs selbst nachspüren.

In sieben Schlössern auf den Spuren von König Ludwig II. von Bayern

1. Schloss Nymphenburg in München

Hier nimmt die Geschichte ihren Anfang: Im grünen Salon von Schloss Nymphenburg erblickte Ludwig Otto Friedrich Wilhelm von Wittelsbach am 25. August 1845 das Licht der Welt – am gleichen Tag und zur selben Stunde wie sein Großvater König Ludwig I. Was damals als glücklicher Zufall oder gar göttliche Vorsehung gefeiert wurde, entsprach wohl nicht ganz der Wahrheit: Wahrscheinlich wurde die Geburt von Baby Ludwig für einige Tage geheim gehalten um den Namenstag des Heiligen Ludwigs abzuwarten. Als ältester Sohn von Kronprinz Maximilian und Kronprinzessin Marie erwartete ihn eine leuchtende Zukunft als König von Bayern.

Als Erwachsener sollte Ludwig allerdings nur wenig für Schloss Nymphenburg übrig haben. Er schuf sich lieber seine eigenen Domizile in den Bergen, fernab vom Trubel der Landeshauptstadt. Das Schloss wurde daher vor allem als Quartier für Verwandte genutzt. Seine Spuren hat er hier dennoch hinterlassen: Im Marstallmuseum könnt ihr die kunstvoll vergoldeten Prunkgefährte Ludwigs zu bestaunen, außerdem 25 Porträts seiner liebsten Pferde. Denn König Ludwig war ein echter Pferdenarr und unternahm gerne stundenlange Ausritte. Außerdem liebte er nächtliche Fahrten in seinen prachtvollen Schlitten, die er mit der allerneuesten Technik – nämlich mit Glühbirnen und Bleibatterien – ausrüsten ließ.

Auf den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.
Eingebettet in eine malerische Bergkulisse liegt Hohenschwangau, (c) www.bayern.by – Peter von Felbert

2. Schloss Hohenschwangau

In Hohenschwangau verbrachten Ludwig und sein jüngerer Bruder Otto einen Großteil ihrer Kindheit. Hier konnte er den Blick über den Alp- und Schwansee, bewaldete Hügel und die Alpen im Hintergrund schweifen lassen. Ihr Vater hatte das marode Schloss kurz zuvor umfassend renovieren lassen. Ihre naturverbundene Mutter, Kronprinzessin Marie, nahm die Prinzen oft mit auf Wanderungen in die Umgebung. Einen besonderen Eindruck machte auf den jungen Ludwig das alte Schloss selbst: Ausgestattet im Stil der Neogotik wirkte es wie die Burg der Helden aus der bayerischen Gesichte und Sagenwelt, die die Wandgemälde im ganzen Schloss zierten. Im Heldensaal oder dem Burgfrauenzimmer träumte er davon, unter mutigen Rittern und ehrbaren Fräulein zu leben und bewunderte die Taten des tugenhaften Lohengrin im Schwanrittersaal. Auch die Burgruine auf der Anhöhe gegenüber regte Prinz Ludwigs Fantasie an. Hier sollte später Schloss Neuschwanstein entstehen.

Tipp: Schaut unbedingt auch im Museum der Bayerischen Könige vorbei, wo ihr mehr über Ludwigs Kindheit und die Familiengeschichte der Wittelsbacher erfahren könnt! Vom Saal der Könige aus eröffnet sich außerdem ein traumhafter Blick über den Alpsee.

Auf den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.
Festsaalbau der Residenz München © Bayerische Schlösserverwaltung

3. Residenz München

Wir schreiben das Jahr 1864 – zu dieser Zeit war ganz Bayern in den jungen Kronprinzen Ludwig verliebt. Hochgewachsen und gut aussehend war der 18-Jährige der ganze Stolz des bayerischen Königshauses. Pferde, Literatur und natürlich die Oper – ganz besonders Wagners Musik – begeisterten ihn. Etwas unsicher schrieb der Prinz in sein Tagebuch: „Über meine Zukunft weiß ich nur so viel, dass ich nächstens den Eid auf die Verfassung schwören werde. Mein Aufenthalt wird wahrscheinlich München vor der Hand sein; später denke ich werde ich eine Universität besuchen!“

Doch es kam alles anders: Völlig überraschend starb König Maximilian II. Joseph, der bereits seit einigen Jahren mit gesundheitlichen Problemen kämpfte, im Alter von 53 Jahren an einer kurzen aber heftigen Infektion. Noch am selben Tag wurde Ludwig zum neuen König von Bayern proklamiert. Der junge König war schlecht auf sein neues Amt vorbereitet. Sein distanzierter Vater hatte ihn kaum in seine königlichen Pflichten einbezogen, das geplante Studium in Göttingen musste nun ebenfalls entfallen. Ludwigs Wohnort war vorerst die Residenz in München, der offizielle Herrschaftssitz der bayerischen Könige. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, Richard Wagner als Hofkünstler nach München zu berufen.

Nach dem Vorbild seiner Vorgänger wollte Ludwig der Landeshauptstadt seinen Stempel aufdrücken – Kunstpatronage und prestigeträchtige Bauprojekte waren geradezu eine königliche Pflicht. Die großen Pläne für ein Richard Wagner-Festspielhaus über der Isar wurden allerdings von seinen Bürokraten blockiert. Ludwigs Berater hatten ohnehin nicht viel für den notorisch verschuldeten Komponisten übrig, der ihrem König Flausen in den Kopf setzte und ihm dafür das Geld aus der Tasche zog. Nach gut einem Jahr musste Ludwig seinen väterlichen Freund auf Druck der Bevölkerung und der Regierung hin gehen lassen.

4. Schloss Neuschwanstein

Ludwigs Bauten in München waren subtiler Natur, etwa das schmucklose Gebäude der von ihm gegründeten Neuen Polytechnischen Schule (heute: TU München). Beim Ersinnen seiner Residenzen packte ihn dagegen die Leidenschaft. Er ließ seinen Hofbauintendanten Eduard Riedel eine Fülle von Skizzen und Plänen nach seinen Vorstellungen anfertigen. Jetzt mussten nur noch die perfekten Standorte für die neuen Schlösser gefunden werden. Als erstes Projekt nahm Ludwig den Wiederaufbau der Burgruine in Hohenschwangau in Angriff. Bereits als Kind hatte er sich die Pracht der alten Burg ausgemalt – nun sollte der Traum Wirklichkeit werden, „im Stil der echten deutschen Ritterburgen schöner und größer als je zuvor. Das war an sich nichts Ungewöhnliches; auch andere Adelsfamilien hatten das Burgenbauen wieder für sich entdeckt.

Ganze acht Meter Gestein mussten von der Hügelkuppe abgetragen werden, um genug Fläche für die neue Burg zu schaffen. Zur Verwirklichung der tollkühnen Pläne nutzten die Bauleute moderne Materialien. So wird der Thronsaal von Doppel-T-Trägern aus Stahl gestützt und als Säulen dienen verputzte Gusseisenrohre, die mithilfe eines Dampfkrans zur Baustelle befördert wurden. Der Rohbau war noch nicht fertig gestellt, da stürzte sich Ludwig schon in die nächsten Bauprojekte: In unmittelbarer Nähe begann er den Bau des Königshauses am Schachen und von Schloss Linderhof, kurze Zeit später folgte die Planung für Schloss Herrenchiemsee. Innerhalb weniger Jahre verwandelte sich Bayerns Süden zur Riesenbaustelle, denn ab 1873 trieb Ludwig seine Projekte weitgehend parallel voran – ein kostspieliges Unterfangen.

Auf den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.
Schloss Linderhof Foto ©Bayern.by-Gert Krautbauer

5. Schloss Linderhof

Mehr Luxusvilla als Sommerresidenz ist Schloss Linderhof, das Ludwig in der Nähe von Kloster Ettal errichten ließ. Zu Zeiten seines Vaters hatte hier ein Jagdhaus gestanden, das aus Platzgründen prompt versetzt wurde. Angelehnt an Marie Antoinettes Petit Trianon im Stil des Rokoko eröffnete Linderhof eine paradiesische Welt inmitten der Berge. Zusammengerechnet verbrachte Ludwig hier etwa acht Jahre seines Lebens, umgeben von prunkvoller Einrichtung und mit luxuriösen Technik-Gadgets, wie einem Tischlein-deck-dich im Speisezimmer oder elektrischer Beleuchtung.

Ein Highlight im Schlosspark ist die Venusgrotte, eine künstlich angelegte Tropfsteinhöhle mit See und Wasserfall, die sich Ludwig selbst zum Geburtstag schenkte. Angeblich hatten seine Bediensteten regelmäßig ihre liebe Not damit, wilde Schwäne in die Grotte zu scheuchen, damit der König den Anblick seiner Lieblingstiere genießen konnte während ihn ein Diener auf einem Muschelkahn herumruderte. Elektrische Lampen, eine Wasserheizung und eine Wellenmaschine sorgten für die richtige Atmosphäre – betrieben vom ersten Elektrizitätswerk Bayerns.

6. Königshaus am Schachen

Das Königshaus mag von außen wie ein schlichtes Ferienhäuschen wirken, doch im Inneren verbirgt sich das prunkvolle Türkische Zimmer, ausgestattet mit Buntglasfenstern, bestickten Divanen und einem Springbrunnen. Verkleidete Diener, die eilfertig Tee und Wasserpfeife herbeischafften, füllten die Fantasie aus den Märchen von 1001 Nacht mit Leben. Fast könnte man vergessen, dass man sich inmitten der bayerischen Alpen befindet! Im Schein von hundert Kerzen feierte Ludwig hier alljährlich seinen Geburtstag am 25. August in einem rauschenden Fest, wie es heißt. Leider ist das Königshaus am Schachen derzeit geschlossen, aber ein digitaler Rundumblick im Obergeschoss lohnt sich allemal.

Anders als König Ludwig könnt ihr nicht stilecht per Pferdewagen auf den Schachen fahren, sondern müsst den Königsweg (Gehzeit von Elmau ca. 3,5 Stunden) selbst hinauf wandern. Dafür werdet ihr mit einer wunderbaren Aussicht auf das Wettersteingebirge belohnt. Eine weitere Sehenswürdigkeit auf dem Schachen ist der Alpengarten, der nach Ludwigs Zeit auf 1.860 m Höhe angelegt wurde. Zart rosafarbene Lilien aus dem Himalaja und südafrikanische Kap-Astern blühen hier in nächster Nähe von Enzian, Alpen-Edelweiß und Küchenschelle. Gerade in den Sommermonaten stehen viele Blumen in Blüte und machen einen Besuch besonders lohnenswert.

Auf den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.
Ein bayerisches Versailles mitten im Chiemsee – Schloss Herrenchiemsee, (c) www.bayern.by – Peter von Felbert

7. Schloss Herrenchiemsee

„Schließen Sie den Kauf sofort ab, das Gelände scheint entsprechend zu sein. Ludwig.“ Mit diesem Telegramm fiel 1873 der Startschuss für den Bau von Schloss Herrenchiemsee. Von Holzspekulanten, die lediglich am alten Baumbestand der Insel interessiert waren, kaufte Ludwig die Insel Herrenchiemsee um endlich die Pläne für sein bayerisches Versailles umzusetzen. Ursprünglich waren die Baupläne für den heutigen Standort von Schloss Linderhof gedacht, doch das Gelände hatte sich schnell als ungeeignet erwiesen. Inspiriert durch Ludwig XIV., den französischen Sonnenkönig, entsprach es Ludwigs Fantasien vom Glanz vergangener Zeiten. Der Latona-Brunnen und der berühmte Spiegelsaal durften natürlich nicht fehlen.

Aber wie errichtet man ein Schloss auf einer Insel mitten im Chiemsee – ein See so groß und tief, dass man ihn auch das bayerische Meer nennt? Ein nagelneuer Schleppdampfer musste her um das Material zur Baustelle zu schaffen. Die umfangreichen Wasserspiele wurden ebenfalls von einem Arsenal aus dampfbetriebenen Pumpen betrieben. Mit eigenen Augen sollte Ludwig die Brunnen allerdings nicht mehr sehen. Sein Lebenswandel geriet zunehmend in die Kritik; seit Jahren hatte er öffentliche Auftritte weitestgehend gemieden. Auch der Schuldenberg wuchs weiter und weiter, sodass die Bauarbeiten an Herrenchiemsee und Neuschwanstein eingestellt werden mussten. Ludwigs Forderung, staatliche Baugelder für seine Schlösser freizugeben, stieß auf erheblichen Widerstand seiner Minister. Denen schien der kostspielige Bau repräsentativer Schlösser in einem zunehmend demokratisch organisierten Staat nicht mehr zeitgemäß.

Im Juni 1886 wurde Ludwig durch die Regierung aufgrund einer angeblichen Geisteskrankheit entmündigt, in Gewahrsam genommen und nach Schloss Berg gebracht. Am 13. Juni verstarb Ludwig im Alter von 40 Jahren durch ungeklärte Umstände im Starnberger See. Unverheiratet und kinderlos hinterließ Ludwig den Thron seinem jüngeren Bruder Otto, der aufgrund seiner psychischen Erkrankung schnell für regierungsunfähig erklärt und durch seinen Onkel Luitpold vertreten wurde.

Auf den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II.
In liebevoller Erinnerung behielten die Bayern ihren „Kini“, Postkarte um 1900, geschrieben am 8.11.1906 © Haus der Bayerischen Geschichte

Die Träume des Märchenkönigs blieben unvollendet, weder Schloss Neuschwanstein, noch Herrenchiemsee wurden je fertig gestellt. Weitere, nie verwirklichte Projekte haben sich nur in Skizzen, Plänen und Modellen erhalten, die mittlerweile im König Ludwig II.-Museum auf der Herreninsel zu sehen sind. Und davon gibt es einige: Von der Pfauengondelbahn am Alpsee, über Burg Falkenstein bis hin zu weitläufigen Palästen nach chinesischen und byzantinischen Vorbildern. Wie Bayern wohl heute aussähe, hätte Ludwig auch diese Pläne in die Tat umgesetzt?

Abb. ganz oben: Bild von FelixMittermeier auf Pixabay

Anna Blenninger

mehr Museumsperlen für dich

Wir verwenden Cookies bei deinem Besuch auf unserer Webseite. Indem du unsere Webseite benutzt, stimmst du unseren Datenschutzrichtlinien zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Privacy & Cookies Policy