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Die 37 Schönheiten von Nymphenburg

by Sabine Wieshuber

Na, erkennt ihr die junge Frau im Dirndl unten rechts? Die „schöne Münchnerin“, die Schusterstochter Helene Sedlmayr, ist eine der bekanntesten von 38 Frauen aus der berühmten Schönheitengalerie von König Ludwig I., die ihr in Schloss Nymphenburg bewundern könnt. 36 von ihnen malte Hofmaler Joseph Stieler, zwei Bilder sind von seinem Neffen Friedrich Dürck, ein Porträt verschwand auf mysteriöse Weise. Wir wollen euch mit diesen wunderschönen Bildern erfreuen und inspirieren. Das Schöne in der Welt zu sehen, fällt gerade nicht so leicht. Doch „Hass macht hässlich“ (Peter E. Schumacher). Füllen wir unsere Herzen mit Schönheit, Hoffnung und Licht und geben Wut, Aggression und Gewalt keine Chance.

Von 1827 bis 1850 porträtierte Hofmaler Joseph Karl Stieler (1781-1858) im Auftrag des Kronprinzen und später des Königs junge, attraktive Frauen – Adelige und Bürgerliche, Prinzessinnen und Tänzerinnen, Bauerntöchter und Fürstinnen, englische Ladies und griechische Schönheiten. Einige von ihnen hat Kunstliebhaber, Sammler, Schöngeist und Frauenheld Ludwig I. (siehe auch unseren Blogbeitrag) nur kurz erblickt, mit anderen war er sogar verwandt. Mit einigen hatte er heimliche Techtelmechtel, mit anderen Damen wie Lola Montez sehr öffentliche Affären. Dennoch ist die Galerie keine reine Zurschaustellung von „Trophäen“. Es gehörte durchaus zum guten Ton der Zeit, die weibliche Schönheit in einer Gemäldegalerie zu feiern. Die „Windsor Beauties“, eine Reihe von Hofdamen, hängen heute in Hampton Court, die Zarin Elisabeth I. von Russland ließ von ihrem Hofmaler Rotari hunderte Frauenporträts malen, Kurfürstin Henriette von Bayern und auch Max Emmanuel hatten ihre eigenen Sammlungen.

Alle 37 abgebildeten Frauen wurden fürs Modell-Sitzen von Ludwig I. belohnt – er übernahm ihre Mitgift, zahlte ihnen eine Apanage oder besorgte ihnen eine Arbeitsstelle bei Hofe. Mit einigen blieb er über Jahre im regen Briefkontakt, andere kreuzten nur kurz sein Leben.

Ursprünglich befand sich Ludwigs Schönheitengalerie im Festsaalbau der Münchner Residenz und war von Anfang an auch dem Publikum zugänglich. Erst nach 1945 zogen die Bilder in den südlichen Flügel des Nymphenburger Schlosses um. Der Raum am Ende eines langen Flures, nahe den Appartements der Königin ist Teil des Rundgangs. Hier hängen die Porträts in ihren üppigen goldenen Rahmen in Gruppen von sechs, zufällig zusammen gestellt und auch immer wieder neu arrangiert. Einige wie Helene Sedlmayr oder Lola Montez sind längst berühmt. Andere sind weniger bekannt. Die jüngste war gerade mal 15, die älteste Anfang 30. Sogar Mutter und Tochter sind dabei. Viel mehr als ihr Äußeres und ihre Tugendhaftigkeit, was damals vor allem zählte, interessieren uns heute ihre Geschichten. Wer waren sie? Woher kamen sie? 15 dieser höchst unterschiedlichen Frauen wollen wir euch hier deshalb näher vorstellen.

„Schönheit ist der Sinn der Welt.
Schönheit genießen, heißt die Welt verstehen.“

Julius Bierbaum

„Möge der neue Tag dir den Blick für die Schönheit der Welt schärfen.“

Irischer Segenswunsch

„Betrachtet das Erwachen des Frühlings und das Erscheinen der Morgenröte! Die Schönheit offenbart sich denjenigen, die sie betrachten.“

Khalil Ghibran

Die Tochter und die Schwiegertochter

„Soviel in dir Liebe wächst, soviel wächst die Schönheit in dir.
Denn die Liebe ist die Schönheit der Seele.“

Augustinus Aurelius

Alexandra Amalia Prinzessin von Bayern

Alexandra ist die jüngste Tochter und das siebte Kind von Ludwig I. und seiner Frau Therese von Sachsen-Hildburghausen. Sie kam 1826 zur Welt, blieb ihr Leben lang unverheiratet und wohnte abwechselnd in der Münchner Residenz, in Berchtesgaden, auf Schloss Leopoldskron, in der Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben (Pfalz) und in Aschaffenburg. Dass sie als Lieblingstochter des Königs galt, hatte für sie eher keine Vorteile. Von der gesellschaftlichen Stellung her unpassende Verehrer der Prinzessin wurde von den Eltern entschieden abgewiesen und auf Abstand gehalten. Ein passender Kandidat wurde nicht gefunden.
Sie teilte die Begeisterung ihres Vaters für Literatur und Wissenschaften. In späteren Jahren wurde die Prinzessin auf Wunsch des Königs Oberste Vorsteherin und Äbtissin der Königlichen Damenstifte zur „Heiligen Anna“ in München und Würzburg. Sie war auch eine Wohltäterin von Aschaffenburg, wo sie auf Schloss Johannisburg geboren wurde. Nach dem Tod von Ludwig I. erbte sie seine naturhistorische Sammlung.

Marie Kronprinzessin von Bayern

Die geborene Prinzessin von Preußen heiratete 1843 den bayerischen Kronprinz Maximilian. Ihr Schwiegervater, Ludwig I., war dennoch mit der Wahl seines Sohnes einverstanden. Er beschrieb Marie als „…sehr hübsch, äußerst liebreich…“. Obwohl die Kronprinzessin dem evangelischen Glauben angehörte, war sie auch bei der katholischen Bevölkerung beliebt.
Marie liebte die Berge, die sie auf ihrer Hochzeitreise kennen gelernt hatte. Um in ihrer Freizeit wandern zu können, ließ sie sich ein Kostüm aus feinstem Loden anfertigen, verbrachte viel Zeit in den bayerischen und Tiroler Alpen und wollte sogar als erste Frau die Zugspitze besteigen. Am 25. August 1845 brachte sie im Grünen Salon von Schloss Nymphenburg den späteren König Ludwig II zur Welt – und drei Jahre später seinen Bruder Otto. 1848, nach der Abdankung von Ludwig I. wurde sie Königin von Bayern.  Als ihr Mann Maximilian II. unerwartet starb, war Marie gerade mal 39. Da Ludwig unverheiratet war, blieb sie als Königinmutter weiterhin die ranghöchste Dame Bayerns, erschien jedoch seltener in der Öffentlichkeit.

Die Mätressen des Königs

„Wahre Schönheit ist zeitlos.“

Marylin Monroe

Caroline Lizius

Über ihre geheime Beziehung zu Ludwig I. ist nicht viel bekannt: Caroline wurde 1824 in Aschaffenburg geboren, als 16-Jährige traf sie ihn dort zum ersten Mal. Kurze Zeit später zog das Mädchen nach München, wo ihr Leben vom König finanziert wurde. Auch ihr Vater und ihr Bruder machten in dieser Zeit Karriere. Bereits 1841 ließ der König Caroline von Stieler malen. Auch von ihr gibt es zwei Porträts – ein jugendliches und dieses spätere in dunklem Samt.
Im Jahr 1849 heiratete Caroline einen Legationsrat und wurde Mutter eines Sohnes, der vermutlich der Sohn des Königs war. Lola Montez und Caroline Lizius kannten sich, mochten sich aber nicht. Ludwig hatte Lola versprochen, Caroline nur in ihrer Gegenwart zu empfangen.

Lola Montez

Lola ist die berühmteste und widersprüchlichste Persönlichkeit der Schönheitsgalerie. Über die „Femme fatale“ wurden Romane geschrieben und Filme gedreht, es soll sogar einen Heavy Metal Song über sie geben… Wahrscheinlich wurde Elizabeth Rosanna Gilbert 1821 als Tochter eines englischen Offiziers und einer Hutmacherin geboren. Als Kind zog sie mit ihrer Familie nach Kalkutta. Doch kurz nach der Ankunft starb der Vater an Cholera und Lola wurde von ihrem Stiefvater und ihrem Stiefonkel in Schottland aufgezogen.

Sie heiratete einen englischen Offizier und folgte diesem erneut nach Indien. Die Ehe scheiterte und Lola kehrte nach Europa zurück. Sie reiste nach Spanien und tourte später als vermeintlich „Spanische Tänzerin“ durch Paris, Warschau, St. Petersburg, Berlin, Dresden, Wien und Venedig. Tumulte und Skandale waren vorprogrammiert, egal wo sie auftrat.

Am 5. Oktober 1846 kam sie nach München und bewarb sich um ein Engagement als Tänzerin am Münchner Hoftheater. Kurz darauf begegnete sie bei einer Audienz Ludwig I. und gab auf sein Drängen hin ein Gastspiel am Münchner Hof- und Nationaltheater. Der König war ihr sofort verfallen und begann eine leidenschaftliche Affäre mit ihr. Aus dieser Zeit stammt auch ihr Porträt, das heute im Schloss Nymphenburg zu sehen ist: „Stieler – die Gräfin Landsfeld ist ein ehrbares Frauenzimmer! Male er sie in schwarzem Samt“, so lautete die Anweisung des Königs.

Der König schenkte Lola in München ein Palais in der Barer Straße 7, wo er sie oft besuchte. Sie erhielt außerdem die bayerische Staatsbürgerschaft und wurde zur Gräfin von Landsfeld erhoben, was sehr kritisch in der Gesellschaft aufgenommen wurde. Die Mätresse des Königs war in der Münchner Bevölkerung zunehmend unbeliebt. Der steigende Unmut führte zu Studentenunruhen und hatte die Schließung der Universität zur Folge. Der Aufruhr in der Stadt zwang den König, 1848 seine Geliebte des Landes zu verweisen und kurze Zeit später selbst abzudanken. Lolas Bild verschwand für Jahrzehnte im Depot und durfte erst nach dem Ende der Monarchie wieder aufgehängt werden.

Aus München verbannt, zog es die Tänzerin nach Paris, wo sie mit ihrem Programm wieder durchstarten wollte. Später ging sie in die USA, trat am Broadway, an der Ostküste und in San Francisco auf. 1855 reiste sie weiter nach Australien, wo sie Goldgräber mit ihren Darbietungen unterhielt. Nach ihrer Rückkehr nach New York kämpfte sie mit gesundheitlichen Problemen und starb dort am 17. Januar 1861. Sie wurde auf dem Green-Wood Cemetery in Brooklyn beigesetzt.

Die Italienerin und die Jüdin

„Poesie ist Wahrheit, die in Schönheit wohnt.“

Robert Gilfillan

Maximiliane Borzega

Sie kam 1806 in München zur Welt und stammte aus einer bürgerlichen Familie mit italienischen Wurzeln. Der König wollte „Dem Frülein Borzega, Tochter des Leihhausverwaltes, der schönsten von Münchens Schönen“ die Besuche zuhause abstatten, was jedoch der Vater verhindern wollte, da er sich um den guten Ruf seiner Tochter sorgte. Die Aufnahme in die Schönheitengalerie des Königs wurde von der Familie nur unter der Bedingung akzeptiert, dass bei den Malsitzungen immer eine Begleiterin anwesend sei. Kurz nach der Fertigstellung des Porträts heiratete Maximiliane einen Arzt aus München und bekam mit ihm zwei Kinder. Sie starb mit nur 31 Jahren an einer Lungenkrankheit.

Nanette Kaula

Sie wurde 1812 in München als Tochter des angesehenen jüdischen Hofagenten geboren. Als sie von Joseph Stieler porträtiert wurde, war sie etwa 17 Jahre alt. Im Jahr 1834 heiratete sie den Bankier Salomon Joseph Heyne, den Neffen eines „Rothschild von Hamburg“, und lebte mit ihm in München. Zu den entfernten Verwandten des Ehemanns gehörte auch der Dichter Heinrich Heine. Nach dem Tod ihres Mannes lebte Nanette noch 13 Jahre lang in der Hauptstadt, wo sie im Alter von 64 Jahren starb. Sie wurde als hübsch, geistvoll und liebenswürdig beschrieben.

Die Engländerin und die Griechin

„Schönheit beginnt in dem Moment,
wo du entscheidest, du selbst zu sein.“

Coco Chanel

Lady Jane Ellenborough

Ihre Biografie ist eine der schillerndsten: 1809 als Tochter des britischen Admirals geboren, heiratete sie im Alter von 16 Jahren den wesentlich älteren Politiker Edward Law Earl of Elleborough. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes ließ sie sich scheiden und ging nach Paris, wo sie mit dem österreichischen Diplomaten Felix zu Schwarzenberg lebte.
Nach der Trennung ging Jane Digby nach München, wo sie im „Goldenen Hirsch“ in der Theatinerstraße König Ludwig I. kennenlernte und eine intensive Beziehung zu ihm hatte. Schon in den ersten Wochen ließ Ludwig Jane von Joseph Stieler für seine Sammlung malen.
In München lernte sie auch ihren dritten Mann kennen, Karl Theodor von Venningen-Ullner, mit dem ebenfalls zwei Kinder bekam. Auch ihn, so wie auch ihre Kinder, verließ sie und zog nach Paris. Sie heiratete erneut, diesmal einen griechischen Grafen und bekam ihr sechstes Kind . Die Familie lebte einige Jahre sehr glücklich auf den Inseln Tinos und Korfu. Während einer Reise nach Italien jedoch hatte der sechsjährige Sohn Leonidas bei Spielen einen schrecklichen Unfall und starb. Daran zerbrach kurze Zeit später auch die Ehe der Eltern.
Das letzte große Abenteuer von Lady Jane spielt in Syrien, wo sie den Sohn eines Scheichs kennenlernte. Er wurde der vierte und zugleich letzte Ehemann der Engländerin. Sie engagierte sich für die Popularisierung der Kultur des Orients, etwa durch die Unterstützung von Richard Burtons bei der Übersetzung von „Tausendundeine Nacht“ und starb mit 74 in Damaskus.

Katharina Botzaris

Sie wurde 1819 als Tochter von Markos Botzaris geboren, einem griechischen Freiheitshelden, der im Kampf gegen die Türken fiel. Ihr Bruder, Demetrios, erhielt seine Ausbildung in München und wurde Flügeladjutant und Kriegsminister von König Otto von Griechenland. Katharina wurde mit 16 Hofdame der Königin Die griechische Tracht, die die junge Griechin fast immer trug, wurde zu ihrem Markenzeichen und erregte überall große Aufmerksamkeit, vor allem bei ihren Reisen durch Deutschland.
König Ludwig I. sah Katharina zum ersten Mal während des Besuchs von Königin Amalia in München und war sofort von ihr begeistert. Einige Tage später saß die Griechin Modell. Kurz darauf kehrte sie nach Athen zurück.

Die Aufsteigerinnen

„Die Schönheit ist überall. Es gilt nur, sie zu entdecken.“

Konfuzius

Josepha Conti 

Sie war die einzige der Frauen, die von ihrer Geburt 1825 bis zu ihrem Tod ein selbstbestimmtes Leben führte und immer berufstätig war. Sie stammte aus bescheidenen Verhältnissen, konnte aber in höhere Beamtenkreise aufsteigen. Josepha kam als uneheliche Tochter eines Herrschaftsdieners und einer Bäckerstochter zur Welt und wurde später durch Heirat ihrer Eltern legitimiert. Mit 15 heiratete sie einen Witwer, der fast dreimal so alt war wie sie, und der drei Jahre später starb. Die junge Witwe eröffnete daraufhin eine Boutique in der Briennerstraße. Zu dieser Zeit wurde sie auch in die Galerie aufgenommen. Es ist nicht bekannt, wie sie Ludwig I. kennenlernte. Der Monarch unterstützte ihre Berufstätigkeit und gab ihr eine Stelle am Hof als königliche Leinwandmeisterin, die am Hof für die Tischwäsche zuständig war. Über 20 Jahre lang erfüllte sie diese Aufgabe, auch nach ihrer zweiten Heirat mit einem Juristen. Josepha starb in München im Alter von 56 Jahren.

Charlotte von Hagn 

Die Kaufmanns-Tochter, geboren 1809, setzte sich gegen ihren Vater durch und nahm Schauspielunterricht. Bei ihrem Debüt am Münchener Hoftheater, bei dem sie großen Beifall erntete, war Charlotte gerade 17 Jahre alt.  Sie wurde sofort engagiert und als Schauspielerin weit über München hinaus gefeiert. Sie gastierte in Wien, Dresden, Berlin und Budapest.
Im Jahr ihres Debüts lernte die junge Schauspielerin König Ludwig I. kennen und begann, so munkelte man in München, ein Verhältnis mit ihm. Kurze Zeit später wurde sie porträtiert. Gegen den Willen des Königs ging sie 1833 an die Hofbühne nach Berlin. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verließ sie die Bühne, heiratete einen reichen Rheinländer und zog zurück nach München. Bei einer Begegnung zwischen Charlotte und Ludwig beschrieb der König seine Eindrücke wenig galant: „Vorgestern habe ich Frau Oven getroffen, die schöne Charlotte von Hagn genannt…Ich war überrascht, sie so hässlich und alt zu sehen.“
Drei Jahre später trennte sie sich von ihrem Mann und lebte in München im Kreise von Literaten, Künstlern und Musikern, darunter Paul Heyse, Friedrich von Bodenstedt, Franz Liszt und sogar König Maximilian II. von Bayern. Sie erlitt zwei Schlaganfälle, von denen sie sich jedoch fast vollständig erholte und wurde 82 Jahre alt. 

Mutter und Tochter

„Schönheit liegt nicht im Antlitz. Schönheit ist ein Licht im Herzen.“

Khalil Gibran

Crescentia Fürstin von Oettingen-Oettingen und Wallerstein

Ihre Biographie könnte fast als Vorlage für einen Liebesroman dienen. Sie kam 1806 als Tochter eines französischen Weinbergbesitzers zur Welt. Ihr Vater war noch vor der Französischen Revolution auf die Schwäbische Alb geflüchtet und arbeitete als Hofgärtner für die Familie Oettingen-Oettingen. Der älteste Sohn des Hauses, Ludwig, verliebte sich in die 15 Jahre jüngere Crescentia und heiratete sie gegen den Willen seiner Familie. Daraufhin musste Ludwig auf sein Erstgeburtsrecht, Ämter und einen Teil des Einkommens verzichten. Das Paar lebte zunächst im ehemaligen Klosterschloss Heilig Kreuz in Donauwörth. Verfolgt von finanziellen Schwierigkeiten kauften sie ein kleines Landschloss in Reimlingen.
Durch die alte Freundschaft des Fürsten mit König Ludwig I. verbesserte sich die finanzielle Lage nach kurzer Zeit deutlich. Ludwig Oettingen-Wallerstein bekam sein Kronenamt zurück, zog mit der Familie nach München und wurde Innenminister des Königs. In dieser Zeit lernte der König die junge Fürstin kennen und fand sie ebenso schön wie sympathisch. Ihre älteste Tochter Caroline wurde später ebenfalls in die Schönheitengalerie aufgenommen.

Caroline Prinzessin von Oettingen-Oettingen und Wallerstein 

Etwa zehn Jahre nach ihrer Mutter wurde die 18jährige ebenfalls gemalt. Kurz darauf heiratete sie einen Alleinerben des rheinischen Adels. Die Eheleute, die als „das schönste Paar der Residenzstadt“ galten, genossen das Leben in vollen Zügen. Sie erwarben mehrere Anwesen, darunter ein Palais am Karolinenplatz in München, in dem sie prächtige Feste mit vielen Gästen feierten. Die Familie, zu der auch der erstgeborene Sohn Friedrich Ludwig gehörte, reiste gerne und besuchte elegante Kurorte und die schönsten Städte Europas. 
Dieser verschwenderische Lebensstil führte zu vielen Schulden und schließlich beinah zum Verlust des gesamten Besitzes. Sämtliche Paläste und Villen mussten verkauft werden, sogar die Möbel und der Schmuck kamen unter den Hammer. Vor den rund 900 Gläubigern setzte sich das Paar nach Luzern ab. Auch Carolines Vater, der wegen der Schulden der beiden sogar für kurze Zeit in Deutschland im Schuldarrest war, flüchtete in die Schweiz. Die Familie kehrte erst nach vielen Jahre zurück nach München, Caroline lebte bis zu ihrem Tod im Alter von 65 nun zurückgezogen.

Die erste und die letzte…

„Die Schönheit, die du in mir siehst, bist du.“

Rumi

Auguste Strobel 

Auf einem bürgerlichen Ball soll der König ihr begegnet sein und sie sofort angesprochen haben. Sie wurde eine der ersten, die für die Sammlung des Königs gemalt wurde. Gleich zwei verschiedene Versionen des Porträts fertigte Joseph Stieler an. Im ersten Versuch war der König nicht mit dem übertrieben langen Hals des Modells einverstanden. Das zweite Bild mit den orangefarbenen Schleifen im Haar entsprach dafür ganz seinen Vorstellungen.  

Nach einer langen Verlobungszeit heiratete Auguste einen Förster, der vom König in seinem beruflichen Werdegang unterstützt wurde. Das Paar hatte fünf Kinder und lebte unter anderem in Ergoldsbach, Zwiesel und Passau, wo Auguste im Alter von 56 Jahren starb.

Maria Dietsch

1850 entstand Joseph Stielers letztes Bild für die Schönheitengalerie. Der Künstler starb acht Jahre später in München.

Maria wurde am 19. Juli 1835 in München als Tochter eines Schneiders geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters führte sie seine Arbeit als Näherin weiter. Im Alter von 30 Jahren heiratete sie einen Redakteur der „Augsburger Abendzeitung“ und zog nach Augsburg. Sie starb jung an Lungenkrebs.

Die schöne Münchnerin

„Was du denkst, bist du. Was du denkst, strahlst du aus.
Was du ausstrahlst, ziehst du an.“

Buddha

Helene Sedelmayr

Die Tochter eines Schumachers wurde 1813 im Chiemgau, in Trostberg bei Traunstein, geboren. Ihr Vater starb jung, die Familie war zu arm, um Helene zur Schule zu schicken. Also arbeitete sie erst bei ihrem Onkel in Altötting und dann in einem Gemischtwarenladen in der Briennerstraße in München als Dienstbotin.

Der Erzählung nach sah Ludwig I. Helene zum ersten Mal in der Residenz, als sie Spielzeug für die Prinzen und Prinzessinnen auslieferte. Wahrscheinlich wurde sie aber vom Maler Joseph Stieler entdeckt und dem König als Modell vorgeschlagen. Ludwig stimmte sofort zu und besuchte auch das Atelier des Malers während der Malsitzungen.  Dabei erzählte Helene auch, dass sie ohne Mitgift keine Heiratschancen habe. Ludwig versprach schnelle Hilfe und bot 1000 Gulden für eine Heirat mit dem „richtigen Mann“. Vier Jahre später heiratete Helene in der Frauenkirche in München den königlichen Hoflakaien Hermes Miller, und das versprochene Geld wurde „als Aussteuer“ ausgezahlt. Der Ehemann diente während seines Lebens drei Generationen von Königen – Ludwig I., seinem Sohn Maximilian II. und seinem Enkel Ludwig II. 

Mehrere Mitglieder der Königsfamilie übernahmen Taufpatenschaften für die insgesamt zehn Kinder. Die Nachkommen der „schönen Münchnerin“ leben bis heue in München sowie in Albstadt und in Berchtesgaden. In ihrer Geburtsstadt Trostberg können die Besucher im Stadtmuseum das Helene-Sedlmayr-Zimmer besichtigen oder sich dort sogar trauen lassen. 

Die 37 Schönheiten von Nymphenburg

„Hass macht hässlich.“

Peter E. Schumacher

Zum Weiterlesen: „Nicht nur schön… Die Lebensgeschichten der Damen aus der Schönheitengalerie König Ludwigs I.“ von Cornelia Oelwein und „Die Schönheitsgalerie König Ludwigs I.“ von Gerhard Hojer

Auch im Schlösserblog der Bayerischen Schlösserverwaltung findet ihr spannende Artikel zum Hofmaler Joseph Stieler, zu Schloss Nymphenburg, Lola & Co.

Abb. ganz oben: die Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg, München
Fotos © Bayerische Schlösserverwaltung, www.schloesser.bayern.de

Ania Hillenbrand & Nathalie Schwaiger

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