Home Ausflugsperlen Ganz schön schräg – spannende Herbstausstellungen in Bayern 2019

Ganz schön schräg – spannende Herbstausstellungen in Bayern 2019

by Sabine Wieshuber

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten… und das ist wunderbar so! Egal ob wir uns für etwas begeistern oder vehement ablehnen, es werden Emotionen und Energie frei gesetzt. Wir können uns ereifern und diskutieren, empören und amüsieren. Denn gerade die Brüche, die Ecken und Kanten machen es spannend: diese Woche zeigen wir euch einen wilden Mix aus Sauriern, Bananen, Volksmusikfans, Fremdkörpern und „Lost Places“. Ausstellungen jenseits von Mainstream, die gegen den Strich bürsten, die Sehgewohnheiten in Frage stellen. Mal Kitsch, mal Kunst, die fremd geht, gegen Regeln verstößt und manchmal sogar gegen die Schwerkraft… Bloß eins sind sie nicht: langweilig! Wetten, dass der Funke überspringt?

Ganz schön schräg -  spannende Herbstausstellungen in Bayern 2019

Holländische Fans in orangenen Lederhosen. Hansi Hinterseer Fanwanderung, 2009 © Lois Hechenblaikner

Lois Hechenblaikner – Volks Musik

Stadtmuseum Starnberg/Oberbayern
27. September 2019 – 12. Januar 2020

Brüche und Widersprüche in der Natur, Tradition und Moderne, der Einzelne und die Menge – der Fotograf Lois Hechenblaikner aus Tirol dokumentiert in seinen Fotoserien Volksmusik-Konzerte und Events in alpenländischer Sehnsuchtskulisse. Seit 1994 bleibt er dicht dran an den Fans wie Raimunda R. aus Bayern, der Dame auf unserem Aufmacher-Bild. Hechenblaikner lichtet Menschen aus aller Welt ab, die für einen Moment des Glücks in die Berge reisen. „Harmoniemilieu“ nennt Hechenblaikner diese Sehnsucht nach der heilen Welt, die Suche nach Geborgenheit und den Heimat- und Liebe-Songs von Hansi Hinterher & Co., die die Menschen zu verbinden scheint. Seine Porträts zeigen Fans allein, zu zweit oder als Gruppe. Sie alle haben etwas gemeinsam, brennen für die gleiche Musik, verehren den selben Volksmusikstar. Deshalb geht es in dieser Ausstellung auch – oder vor allem – um die Sehnsucht Zusammenzugehören.

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Kunst oder Kitsch? Ihr entscheidet! Dose in Schweinsform mit Liegender, 2002
Steinzeug, gebaut und bemalt, Georg Schwarzbach (geb. 1951) © Sammlung Rudolf Strasser/ Museen der Stadt Landshut. Foto: Peter Litvai

Potthässlich und bildschön

Stadtresidenz, Sammlung Rudolf Strasser, Museen der Stadt Landshut/Niederbayern

»Potthässlich« oder »bildschön« liegen bisweilen nah beieinander. Als bewusst subjektiv ist daher auch die Gegenüberstellung gegensätz­licher Werke zeitgenössischer Keramik zu verstehen, die die Museen in ihrer neuen Studioausstellung in der Stadtresidenz präsentieren. Keramik kann Emotionen wecken. Aber nicht immer hält der spontane erste Eindruck einer Überprüfung stand. Und manches enthüllt erst in der Gegenüber­stellung seine ›verborgene‹ Qualität.

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Ein Liopleurodon noch im Dornröschenschlaf. Doch wehe, wenn er aufwacht! © VKR / Foto: Andreas Jacob. Lokschuppen Rosenheim

Saurier – Giganten der Meere

Lokschuppen Rosenheim/Oberbayern
26. September – 13. Dezember 2019

155 Millionen Jahre lang beherrschten sie die Ozeane: die riesigen Meeressaurier mit ihren messerscharfen Zähnen gehören zu den faszinierendsten und geheimnisvollsten Lebewesen der Urzeit. Nun werden sie in Rosenheim wieder zum Leben erweckt. Auf 1.500 Quadratmetern wird die prähistorische Wasserwelt mit über 200 gigantischen Reptilien nachgestellt. Original-Fossilien, Skelette, Abgüsse und 1:1 Modelle von Ichtyosaurus, Parvinatator und Liopleurodon bevölkern Europas größtes digitales und erstes echtzeitrealisiertes „Paläoaquarium“. Sowohl die 3-D-animierten „Hauptdarsteller“ als auch die 1:1 Modelle der Urreptilien wurden auf Basis wissenschaftlicher Basis eigens für das Ausstellungsprojekt entwickelt. Die Originale stammen aus dem Senckenberg Naturmuseum Frankfurt und weiteren renommierten Museen in Europa. Dr. Bernd, der Kurator der Ausstellung, stand in den letzten Monaten fast täglich mit den Modellbauern in Kontakt. Jeder einzelne Muskel, jede Bewegung, ja, sogar die Gestaltung der Hautfarbe der Saurier wurde mit dem Wissenschaftler im Detail abgestimmt.
Außerdem laden euch 20 Medienstationen zum Mitmachen ein und erklären Spannendes und Wissenswertes über das Leben der Meeresechsen.

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Nicholas Greeley, House of Blazes, um 1970, Mischtechnik auf Karton, Collection of Mark Jackson Foto © John Faier

Gegen den Strich – Chicago Calling

Kunsthaus Kaufbeuren/Schwaben
11. Oktober 2019 – 26. Januar 2020

Zum zweiten Mal präsentiert das Kunsthaus Außenseiterkunst aus Amerika. Die meisten Werke sind unabhängig, losgelöst von jeder Art des Akademismus. Für die Künstler ist ihre Arbeit Überlebensstrategie. Häufig sind sie Autodidakten, haben ohne Kenntnis künstlerischer Techniken und abseits der kunsthistorischen Tradition ihre autonome, höchst individuelle Bildsprache entwickelt. Aus ihren Bildern spricht – oder vielmehr schreit – der Widerstand gegen seelenzerstörende Zustände und gegen herkömmliche Schönheitsideale. Denn für die Phantasie und den Traum, aber auch für Halluzinationen und Wahngedanken gelten andere Regeln als für das realitätsbezogene rationale Denken.
Parallel zur Hauptausstellung zeigt das Kunsthaus Chicagos Wunderkammer „Bazaar Bizarre“ eine Sonderschau mit rund 70 Kuriositäten, darunter skurrile ‚objets trouvés‘ ebenso wie wunderlich-originelle Bilder und Plastiken. Diese zeugen von dem ebenso eigenständigen wie höchst exzentrischen gestalterischen Potenzial ihrer weitgehend unbekannten Schöpfer. Die ‚Ready-mades‘ und Werkschöpfungen erzählen von Chicagos Sammlungsgeschichte als eines der bedeutendsten Zentren der amerikanischen Außenseiterkunst. Die Auswahl der Bilder und Objekte wurde von dem Chicagoer Sammler und Autor William Swislow zusammengestellt.

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Unglaublich, was alles in einen Wagen passt! Foto: DB Museum Nürnberg

Bier, Bahn und Bananen

DB Museum Nürnberg/Mittelfranken
12. April – 31. Oktober 2019

Dies ist wohl die ungewöhnlichste Güterverkehrsausstellung, seit die Bahn Bier, Elefanten und Bananen transportiert: am 11. Juni 1836 lud der Bierbrauer Georg Lederer zwei Fässer Bier auf und verschickte sie mit der ersten deutschen Eisenbahn vom Bahnhof am Nürnberger Plärrer zum Bahnhofswirt im Fürther Bahnhof. Dies war der Anfang des Gütertransports auf der Schiene in Deutschland. Die Eisenbahn wurde zum wichtigsten Gütertransporteur und Motor der Industrialisierung. Neun Güterwagen, ein Personenwagen und zwei historische Güterzuglokomotiven aus der Sammlung des DB Museums geben euch die Gelegenheit, diese Entwicklung zu erleben. Einige Wagen sind begehbar und durch einen außergewöhnlichen Parcours miteinander verbunden.

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Verlassene und vergessene Pracht © Peter Untermaierhofer, breakthrough, Italien 2015

Peter Untermaierhofer – Lost Places

Haus der Fotografie Burghausen/ Oberbayern
20. September – 3. November 2019

Wie Relikte aus einer anderen Welt wirken die „Lost Places“, vom Menschen verlassene und sich selbst überlassene Orte, die dem Verfall ausgesetzt sind. Der Fotograf Peter Untermaierhofer sucht seit einigen Jahren aufgegebene Gebäude wie Villen, Hotels, Fabriken, Krankenhäuser und Kirchen auf, um sie mit der Kamera zu erforschen.
Seine Expeditionen sind Reisen in die Vergangenheit. Bilder von Orten, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, öffnen sich. Menschen haben scheinbar den Ort für einen Moment verlassen, um jeden Augenblick wieder zurückzukommen. Wären da nicht die Staubschichten, der desolate Zustand und die Natur, die sich die künstlich geschaffenen Orte zurückerobert. An ihnen ist die Trennung von Gegenwart und Vergangenheit abzulesen.
Peter Untermaierhofer hält in seinen Fotografien die morbide Schönheit des Verfalls und die Spuren der Vergänglichkeit vor dem endgültigen Verschwinden fest. Jedoch stets unter Einhaltung des selbst auferlegten Ehrenkodex zum Schutz der „Lost Places“, der besagt: „Nimm nichts mit außer Bilder und hinterlasse nichts anderes als Fußspuren.“

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Ein Koffer gefüllt mit Fasnachtsmasken, Bauhausspielzeug, dem Heiligen Georg und Otto von Bismarck geht auf Reisen © Anne Genkel, Bezirk Unterfranken

Kunst geht fremd… und hat Kanten

In 15 Museen/Unterfranken
24. Juli – 3. November 2019

Seit 2011 besteht das unterfränkische Netzwerk von unterschiedlichsten Museen – ein in Deutschland einzigartiges Konzept. Nicht die Größe des Museums, die regionale Bedeutung oder der Sammlungsschwerpunkt zählen, sondern die Originalität des jeweiligen Tauschobjektes. Egal ob die Tschägättä-Holzmaske aus dem Fasnachtmuseum Kitzingen, das kleine Bauhaus-Schiffbauspiel aus Miltenberg oder die Volkacher Wetterfahne – die Leihobjekte sollen ganz bewusst als Fremdkörper verstanden werden, möglicherweise sogar Irritationen hervorrufen, aber auch gleichzeitig Interesse für die Herkunfts-Museen wecken.
Im neunten Jahr und mit den Zuwächsen des Jüdischen Kulturmuseums Veitshöchheim und des Museums Johanniskapelle Gerolzhofen zeigen die unterfränkischen Museen von Aschaffenburg bis Würzburg selbstbewusst und in den unterschiedlichsten Facetten Kante! Der Reisekoffer ist wieder prall gefüllt und wird an jedem einzelnen Ort für ungewöhnliche Überraschungen sorgen.
Wenn ihr mehr über dieses spannende Projekt lesen wollt: hier geht es zu unserem Blog-Beitrag zu „Kunst geht fremd“

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Echt oder alt? Ai Weiwei malte das Logo auf eine über 1800 Jahre alte Vase aus der Han-Dynastie. „Coca-Cola-Vase“, Ai Weiwei. Foto: Dominik Schreiner

Der Funke Gottes! Schatz + Wunderkammern

Diözesanmuseum Bamberg/Oberfranken
26. Juli – 10. November 2019

„Good God“ – zwischen den Türmen des Bamberger Doms leuchtet die zehn Meter breite Neon-Skulptur des Berliner Künstlers Via Lewandowsky. Zeitgenössische Kunst von rund 60 Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt sowie ausgewählte Stücke der Moderne treffen auf sakrale Kunst. Tilman Riemenschneider oder Veit Stoß kontrastieren mit Ai Weiweis Coca-Cola-Vase, Karsten Konrads Schrottbildern und Barlachs erster Modell-Skulptur für „Der Schwebende“, den Engel von Güstrow. Gold, Elfenbein und Holzaltäre treffen auf Beton, Stahl, Foto-Papier, Plastik, Computerschrott und Abfall. Ob und in welcher Weise dabei der Funke Gottes überspringt, dass ist jedem von euch selbst überlassen…

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Bitte anschnallen und abheben! © Res Ingold/Luftmuseum Amberg

„Fliege, was fliegen kann.“ ingold airlines 

Luftmuseum Amberg/Oberpfalz
2. November 2019 – 19. Januar 2020

Diese Fluggesellschaft macht vor, wie es auch anders geht. Seit über 50 Jahren fliegt „ingold airlines“ täglich in die entlegensten Regionen der Welt, ohne dabei die Klimaziele zu verfehlen. Das Geschäftsmodell des Konzeptkünstlers Res Ingold, Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München, ist im Grunde sehr einfach: nicht immer mehr, sondern schöner Fliegen! Die Ausstellung zeigt auf leichte Weise und mit einem Augenzwinkern spezielle Aspekte der Luftfahrt – von den frühen Versuchen der Schwerkraftüberwindung über den technischen und metaphorischen Begriff des Fliegens bis zu den springenden Punkten bei der Durchdringung von Gravitation und Raumzeit. Zu sehen sind ausgewählte Objekte aus der täglichen Praxis der Fluggesellschaft und eine transmediale Erzählung über ausgewählte Knoten des internationalen Verkehrsnetzes.

Abb. ganz oben: Raimunda R. aus Bayern; Hansi Hinterseer Fanwanderung, 2009 © Lois Hechenblaikner

Nathalie Schwaiger

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