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1322 – Ritter, Schlacht und Königswürde

by Bianca Faletti

Die Ritterschlacht von 1322 ging als bedeutendes Ereignis in die Geschichte ein, um das sich zahlreiche Mythen und Legenden ranken. Doch wie kam es dazu, dass die beiden Cousins, der Habsburger Friedrich und der Wittelsbacher Ludwig, die sogar gemeinsam am Hof in Wien aufwuchsen, in einem fürchterlich Krieg aufeinandertrafen? Antworten darauf sowie brisante Details über die Schlacht selbst erwarten euch in der aktuellen Sonderausstellung „1322 – Ritter, Schlacht und Königswürde“ im Mühldorfer Haberkasten.

Ein kleiner Vorgeschmack: bis zum 21. Januar 2023 präsentiert sich das Museum und Geschichtszentrum Mühldorf am Inn mit der aktuellen Ausstellung im Infopoint im Alten Hof. Schaut unbedingt bei der Langen Nacht der Münchner Museen am 15. Oktober 2022 von 18 bis 1 Uhr bei uns vorbei: wir erwarten ritterlichen Besuch!
In unserer Dauerausstellung Münchner Kaiserburg im spätgotischen Gewölbesaal des Burgstocks erfahrt ihr rund ums Jahr, von Mo-Sa 10-18 Uhr, alles über Ludwig den Bayern, der hier geboren wurde – und natürlich auch, was es mit der Legende vom Affenturm auf sich hat!

Ritterschlacht von 1322

Es war Krieg im Landkreis Mühldorf! Zwei schwer bewaffnete Heere standen sich gegenüber. Tausende Ritter und Fußkämpfer mitsamt ihrem Tross hatten einen weiten Marsch auf sich genommen, um den Streit zweier Fürsten um die Krone zu beenden. Ludwig IV. der Bayer und Friedrich der Schöne rangen seit 1314 um den Thron des Heiligen Römischen Reichs. Eine Schlacht musste die Entscheidung bringen!

Am 28. September 1322 trafen die Heere der Kontrahenten nordöstlich von Mühldorf a. Inn aufeinander. Ludwig kann die Schlacht zwar für sich entscheiden, die Krone muss er sich aber später trotzdem teilen. Die Schlacht ist als „letzte große Ritterschlacht ohne den Einsatz von Feuerwaffen auf deutschen Boden“ in die Geschichte eingegangen.

Sonderausstellung 1322 – Ritter, Schlacht und Königswürde

Die Ritterschlacht von 1322 jährt sich 2022 zum 700. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das Geschichtszentrum und Museum Mühldorf a. Inn gemeinsam mit der Stadt Mühldorf die Sonderausstellung 1322 – Ritter, Schlacht und Königswürde im Mühldorfer Haberkasten. Hier erfahrt ihr alles über die Hintergründe und den Verlauf der Schlacht.

Euch erwarten zahlreiche originale Bodenfunde aus dem vermuteten Schlachtfeld sowie eindrucksvolle Nachbildungen von Waffen, Helmen und Alltagsgegenständen. Ihr erhaltet Einblick in die Ausrüstung der Kämpfer, in deren Ausbildung und den Alltag des Heeres…

Das mittelalterliche Heer

Glänzende Rüstungen, stolze Schlachtrösser, lange Lanzen – das prägt unser heutiges Bild vom Krieg im Mittelalter. Neben gepanzerten Kämpfern auf Pferden beteiligten sich aber weit mehr Menschen an der Schlacht. Die meisten Kämpfer waren zu Fuß unterwegs und marschierten mit ihren Waffen, ihrer Schutzkleidung und der restlichen Ausrüstung weite Strecken zum Schlachtenort.

Damals wie heute war Krieg mit enormer Logistik verbunden: Es setzte sich eine riesige Anzahl von Menschen in Bewegung, vergleichbar mit der Einwohnerzahl heutiger Kleinstädte. Darunter viele Frauen und Männer, die sich um Verpflegung und die medizinische Versorgung kümmerten. So versammelten sich im September 1322 ca. 20.000 Menschen um das Schlachtfeld nordöstlich von Mühldorf am Inn.

Bauern, Städter oder Söldner waren neben berittenen Kämpfern wichtiger Bestandteil eines mittelalterlichen Heeres. Als Fußkämpfer stellten sie sogar den Großteil der Krieger, auch wenn sie in den Schriftquellen selten erwähnt wurden.

Berittene Kämpfer und Adelige genossen höheres Ansehen und standen daher eher im Fokus von Chroniken und Bildern. Während einer Schlacht auf dem Feld waren in den Reihen der Fußkämpfer meist die größten Verluste zu verzeichnen. Sie waren oft leichter gerüstet und damit weniger geschützt, außerdem konnten sie nicht so schnell fliehen wie Reiter.

Im Spätmittelalter nahm die Bedeutung der Fußkämpfer zu. Durch bessere Bewaffnung und Taktiken entwickelten sie sich zu einer ernsthaften Bedrohung für Reiter und Ross.

Sprechende Quellen zur Ritterschlacht von 1322? Wo fand sie tatsächlich statt?

Nach der Schlacht hat sich ein zweiter Streit bei Mühldorf entfacht: Die Frage, wo sich die Schlacht tatsächlich ereignet hat und wer sie daher für sich beanspruchen könnte, erhitzt so manches geschichtsinteressierte Gemüt. In den Quellen finden sich mehrere unterschiedliche Ortsnennungen. In der Ausstellung könnt ihr euch anhand schriftlicher Überlieferungen und archäologischer Funde eure eigene Meinung bilden und dem Ort der Geschehnisse wortwörtlich euren eigenen Stempel aufdrücken…

Die Schlacht ist geschlagen der Mythos beginnt!

Die Schlacht von 1322 hat einen Nachhall, der bis in die jüngste Vergangenheit und Gegenwart spürbar ist. Die Ausstellung beleuchtet, wie die Wittelsbacher Dynastie im Laufe der Jahrhunderte Ludwigs Sieg für sich nutze und welche Legenden und Mythen sich um das Ereignis ranken. Ein Schwerpunkt ist die Theater- und Festspieltradition, die im Landkreis Mühldorf a. Inn an mehreren Orten, wie etwa in Ampfing, entstanden ist.

Veranstaltungen und Angebote

Die Sonderausstellung wird von einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm begleitet, in dem für Jung und Alt etwas geboten ist! So steht bei „Frag den Ritter“ der Mittelalter- und Waffenexperte Stefan Kafurke Rede und Antwort. Bei mehreren Workshops könnt ihr selbst aktiv werden und euch in mittelalterlichen Handwerkstechniken ausprobieren. Neben mehreren Vorträgen können sich auch fachfremde Interessierte über die neuesten geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisse informieren, von denen Historiker*innen bei einem Symposium berichten. In Erzählcafés haben die Bürger*innen des Landkreises die Möglichkeit, sich über vergangene Erlebnisse, wie beispielsweise über Theateraufführungen in Ampfing oder Kraiburg, auszutauschen.

Die Sonderausstellung „1322 – Ritter, Schlacht und Königswürde“ ist vom 17. September 2022 bis 16. April 2023 im 1. OG des Mühldorfer Haberkastens zu sehen. Die Ausstellung ist Donnerstag und Freitag von 14-17 Uhr und Sonntag von 13-17 Uhr geöffnet. Alle Infos findet ihr unter www.museum-muehldorf.de

Für alle Mittelalterfans: hier entlang geht es zu unserem Blogbeitrag Für Ritter und Burgfräulein – Bayerns Burgen mit der ganzen Familie entdecken

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