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Die Wissenschaftsstadt München entdecken

by Sabine Wieshuber

Dass München eine Stadt der Wissenschaften ist, wissen die meisten Stadtbewohner – stößt man doch an vielen Ecken in der Stadt auf Gebäude der Münchner Universitäten. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten, die einen geschlossenen Campus besitzen, befinden sich die 17 Akademien, Universitäten und Hochschulen mitten in München – und sind im Laufe der Zeit zusammen mit der Stadt gewachsen.

Doch hättet ihr gewusst, dass in keiner anderen europäischen Metropole so viele Nobelpreisträger lebten und forschten wie in München? 17 Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und 13 Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) wurden in der Vergangenheit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Zudem wirkten hier zwei Nobelpreisträger der Literatur: Paul Heyse und Thomas Mann.

Auf den Spuren berühmter Forschender mit dem Themengeschichtspfad Wissenschaftsstadt München

Mit dem neuen Themengeschichtspfad Wissenschaftsstadt München könnt ihr nun auf den Spuren berühmter Forschender und Nobelpreisträger wandeln. Von den beiden Rundgängen führt einer durch die Innenstadt, der andere entlang der „Wissenschaftslinie“ U6. Doch was gibt es dort zu entdecken? Geht mit uns an zwei Stationen auf Spurensuche!

Was ist das Garchinger Atom-Ei?

Hinter der Bezeichnung „Atom-Ei“ verbirgt sich der erste Atom Deutschlands, der 1957 in Garching in Betrieb genommen wurde. Seine circa 30 m hohe, mit Aluminium verkleidete Hülle gab dem Reaktor seinen Namen – die offizielle Bezeichnung lautet übrigens „Forschungsreaktor München I“.

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Ein Blick auf das Garchinger Atom-Ei, Foto: Aisano/ Wikimedia

Bahnbrechende internationale Forschung auf den Gebieten von Physik, Chemie und Biologie nahmen hier ihren Ausgangspunkt – bis heute gilt der Reaktor als Zeichen des wissenschaftlichen Fortschritts nach dem Zweiten Weltkrieg und Keimzelle des modernen Forschungscampus in Garching. Die Stadt Garching nahm den Reaktor sogar in ihr offizielles Stadtwappen auf. Seit 2002 ist der Reaktor allerdings nicht mehr in Betrieb, da er den wissenschaftlichen Ansprüchen nicht mehr genügte.

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Das Garchinger Stadtwappen mit dem Atom-Ei in der unteren Hälfte, Foto: Wikimedia

Die rund 30 Einrichtungen des Forschungscampus Garching laden in jedem Jahr zum Tag der offenen Tür ein – dabei ist auch eine Tour durch einen der Kernreaktoren möglich. Ein umfangreiches Programm mit Experimenten, Führungen, Präsentationen und Vorträgen gewährt spannende Einblicke in die Welt von Wissenschaft und Forschung. Der nächste Tag der offenen Tür findet am 21. Oktober 2017 statt.

Heute ist Garching-Forschungszentrum eine der Endhaltestellen der „Wissenschaftlinie“ U6. Von hier aus geht es mit dem Themengeschichtspfad Wissenschaftsstadt München weiter zur Station Studentenstadt…

Derzeit lohnt es sich, einen Schlenker über das Museum Reich der Kristalle in der Theresienstraße 41 in München zu machen, das zwischen dem 11.11. und 3.12.2017 die Fotoausstellung 60 Jahre Neutronen aus Garching – 60 Jahre Atom-Ei zeigt.

 

Wir machen nun allerdings einen Sprung mitten in die Innenstadt und werfen einen Blick auf die bewegte Geschichte der Ruhmeshalle an der Theresienwiese!

Frauen müssen draußen bleiben: Die Ruhmeshalle an der Theresienwiese

Eine Station auf der Tour durch die Innenstadt ist die Ruhmeshalle, die von König Ludwig I. als Nationaldenkmal errichtet wurde. Hier wurden zunächst 72 Büsten verdienter Bayern präsentiert. In den folgenden Jahren kamen weitere hinzu. Unter ihnen befinden sich zahlreiche Wissenschaftler, beispielsweise Physiker Georg Simon Ohm oder Sprachforscher Johann Andreas Schmeller. Über ihr Leben und Wirken erfahrt ihr auch an anderen Stationen mehr.

Theresienwiese von Rudolf Epp

Als die Theresienwiese noch eine Wiese war. Die Ruhmeshalle in einem zeitgenössischen Gemälde von Rudolf Epp, 1901, Foto: Wikimedia

Vor der Ruhmeshalle wacht die kolossale Statue der Bavaria gemeinsam mit einem Löwen, dem bayerischen Wappentier. Lange Zeit war sie jedoch die einzige Frau in diesem Ensemble, denn für Frauen hieß es 165 Jahre lang „draußen bleiben“: Unter den Geehrten befanden sich ursprünglich ausschließlich Männer. Dies entsprach einerseits der subjektiven Auswahl Ludwigs I. und seiner Berater. Doch andererseits ist die Auswahl Ausdruck des Zeitgeistes Bayerns im 19. Jahrhundert, der von starren Geschlechterrollen geprägt war. Demnach waren Frauen nicht für intellektuelle Tätigkeiten bestimmt, da sie im Gegensatz zu Männern gefühlsbetont statt mit scharfem Verstand gesegnet seien. Selbst eine ernstzunehmende künstlerische Ausbildung an der Akademie wurde Frauen verwehrt.

Dass es zunächst keine Wissenschaftlerinnen in die Ruhmeshalle schafften, verwundert nicht. Der freie Zugang zu Universitäten wurde Frauen in Bayern erst 1903 ermöglicht. Dennoch zogen die ersten weiblichen Porträtbüsten erst im Jahr 2000 ein.

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Die auf dem Sims der Mittelwand aufgestellten Büsten, unter ihnen Prinzessin Therese von Bayern (2. vo. re.), Foto: Rufus46, Wikimedia

Bis heute ist diese Ehre nur vier Frauen zuteil geworden. Eine von ihnen ist Prinzessin Therese von Bayern (1850-1925). Sie nutzte ihre privilegierte Position als Tochter des Prinzregenten zum breitgefächerten Selbststudium: neben Ethnologie, Zoologie und Botanik erlernte sie 12 Sprachen. Von ihren Forschungsreisen nach Asien, Nordafrika und Amerika brachte sie zahlreiche Tiere, Pflanzen und ethnologische Objekte mit, die heute einen wichtigen Teil der Sammlung des Museum Fünf Kontinente und der Zoologischen Staatssammlung stellen. Zudem war sie eines der wenigen weiblichen Mitglieder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und erhielt die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität München.

Lernt die andere Forscherin in der Ruhmeshalle kennen und lüftet das Geheimnis um eine verschwundene Büste im Themengeschichtspfad Wissenschaftsstadt München! Interessiert ihr euch für Frauengeschichte in München? Auch hierzu gibt es bereits einen Themengeschichtspfad!

 

Wo gibt es den neuen Themengeschichtspfad Wissenschaftsstadt München?

Den Themengeschichtspfad Wissenschaftsstadt München gibt es sowohl online als auch im Hosentaschenformat kostenlos bei uns im Infopoint im Alten Hof. Es liegen auch weitere Themengeschichtspfade und Kulturgeschichtspfade zur Geschichte einzelner Stadtbezirke aus.

Die Wissenschaftsstadt München entdecken

Bunt, im kleinen Taschenformat und voll mit spannenden Infos zur Stadtgeschichte: die Themen- und Kulturgeschichtspfade des Münchner Kulturreferats.

 

Abb. ganz oben: Die Nobel-Medaille, Foto: Adam Baker

 

Anna Blenninger

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