Home Ausflugsperlen Blast Christmas! Garantiert nicht-besinnliche Tipps für Weihnachtsmuffel 2019

Blast Christmas! Garantiert nicht-besinnliche Tipps für Weihnachtsmuffel 2019

by Sabine Wieshuber

Keine Lust auf Christkindlmärkte, Glühwein-Schwaden und Rauschegoldengel? Allgemeines Frohlocken und „Last Christmas“ in der Endlos-Schleife sind euch ein Gräuel? Dann haben wir das perfekte Kontrastprogramm: unsere traditionelle Winter-Edition an Ausstellungen in Bayern, garantiert frei von Weihnachtsmännern, Krippen und Lametta…
10 sehenswerte und mit Sicherheit nicht-besinnliche Ausstellungen, nur für Erwachsene und chronologisch sortiert – für Weihnachts-Gringes, Fashion Victims, Kunst- und Farbbekenner, Morbide und noch nicht Scheintote, Waldläufer, Volksmusik- und Happy-Hour-Fans!
Kommt gut durch die Weihnachts(-freie) Zeit! Oder besser: „Porca miseria“ (so heißt unser Aufmacher-Knaller, eine Lampe von Licht-Legende Ingo Maurer) oder zu deutsch „verdammt noch mal“ lasst es krachen!

Blast Christmas! Garantiert nicht-besinnliche Tipps für Weihnachtsmuffel 2019
Rock’n Roll Baby: Quilt-Kunst im Jeans Look. Foto: Sabine Schneider

No Rules – Just Jeans
Levi-Strauss Museum Buttenheim
15. September 2019 – 6. Januar 2020

Für alle Blue-Jeans-Girls und Boys: „An die Nadeln, fertig, los!“ hieß es im Rahmen eines Wettbewerbs in Kooperation mit der Patch Work Gilde Deutschland e.V.. Jedes interessierte Mitglied des Vereins bekam einen Stoffbrief mit Jeans-Patches, Jeansgarn und Nähmaschinennadeln. Die Aufgabe: aus diesen Patches aus überwiegend gebrauchten Jeansstoffen und Accessoires eigener Wahl einen Quilt oder ein 3D-Objekt erstellen. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt und die Teilnehmer konnten sich individuell und kreativ austoben – was dabei herauskam? Das seht ihr im Museum im Geburtshaus von Denim-Legende Levi Strauss im fränkischen Buttenheim bei Bamberg.

Blast Christmas! Garantiert nicht-besinnliche Tipps für Weihnachtsmuffel 2019
© VOGUE Deutschland, 2003, Yasmin Warsame. Foto: Ruven Afanador

Ist das Mode oder kann das weg!? 40 Jahre VOGUE Deutschland
Villa Stuck München
10. Oktober 2019 – 12. Januar 2020

Ein Muss für It-Girls und Mode-Frettchen: die Fashion Show zum 40. Geburtstags der deutschen Vogue! Die Geschichte des Trendsetter-Magazins ist eine Zeitreise in das Gestern, Heute, vor allem aber das Morgen des Mode-Journalismus, der längst nicht mehr auf das gedruckte Magazin beschränkt ist, sondern Mode auf vielen Plattformen – digital, audio-visuell oder in Form von Events – erlebbar macht. Wegweisende Fotografien aus dem Vogue-Archiv, stilbildende Modeshootings, und ein Überblick über die wichtigsten Reportagen aus vier Jahrzehnten erwarten euch. Ein ganzer Raum ist der Stil-Ikone Karl Lagerfeld und seinen Haute-Couture Entwürfen für Chanel gewidmet, ihr könnt Kreationen von Viktor & Rolf sehen und eine Installation der Londoner Designerin Priya Ahluwalia.
Total angesagt: schaut der Redaktion im Atelier über die Schulter (Termine werden auf Facebook angekündigt), entdeckt unveröffentlichtes Material, verfolgt die handwerkliche Produktion von Designstücken aus nächster Nähe oder werdet bei wechselnden Aktionen selbst Teil eines Fotoshootings…

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Eine Gruppe Holländer in „Oranje“ Lederhosen. Foto: Lois Hechenblaikner

Lois Hechenblaikner – Volks Musik
Stadtmuseum Starnberg/Oberbayern
27. September 2019 – 12. Januar 2020

Für alle Hardcore-Hansi-Hinterseer-Fans: der Fotograf Lois Hechenblaikner aus Tirol dokumentiert in seinen Fotoserien Volksmusik-Konzerte und Events in alpenländischer Sehnsuchtskulisse. Seit 1994 bleibt er dicht dran an den Fans. Hechenblaikner lichtet Menschen aus aller Welt ab, die für einen Moment des Glücks in die Berge reisen. „Harmoniemilieu“ nennt Hechenblaikner diese Sehnsucht nach der heilen Welt, die Suche nach Geborgenheit und den Heimat- und Liebe-Songs von Hansi Hinterseher & Co., die die Menschen zu verbinden scheint. Seine Porträts zeigen Fans allein, zu zweit oder als Gruppe. Sie alle haben etwas gemeinsam, brennen für die gleiche Musik, verehren den selben Volksmusikstar. Deshalb geht es in dieser Ausstellung auch – oder vor allem – um die Sehnsucht Zusammenzugehören.

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Walter Ophey, Am Mittelmeer, 1910, Öl auf Leinwand© Kunstpalast, Düsseldorf, ARTOTHEK

Walter Ophey. Farbe bekennen!
Museum im Kulturspeicher Würzburg
1. November 2019 – 19. Januar 2020

Für alle, die’s bunt mögen: „Ich fühle mich in der Farbe am wohlsten“, bekannte Walter Ophey (1882–1930), rheinischer Expressionist und engagierter Wegbereiter der Klassischen Moderne in Deutschland.
Alles in seiner Malerei kreist um die Farbe: von der frühen, lichtdurchsetzten „Hellmalerei“ über die leuchtend expressive Flächenkunst der 1910er Jahre bis hin zu den gedämpften Farbtönen späterer Jahre. Absolut einzigartig sind Opheys Zeichnungen mit Farbkreiden, die die Farbe in einer konturbetonten, schwungvollen Handschrift vom Umriss her erfassen.
Ophey, der zu Lebzeiten weit über das Rheinland hinaus bekannt war, galt lange Zeit nahezu als vergessen. Wie gut, dass das Museum Kunstpalast Düsseldorf, das im Besitz des künstlerischen Nachlasses Opheys ist, erstmals seit 1991 wieder eine große Sonderausstellung konzipiert hat, die den großen und eigenwilligen Expressionisten auch im Rest Deutschlands wieder in Erinnerung ruft.

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Wesley Willis, The Chicago Skyline, Sears Tower, Chicago River (…), 1986. Kugelschreiber und Filzstift auf Karton, 71 x 99 cm, Collection of Rolf and Maral Achilles. Foto © John Faier

Gegen den Strich – Chicago Calling
Kunsthaus Kaufbeuren/Schwaben
11. Oktober 2019 – 26. Januar 2020

Mainstream ist doch zum Gähnen! Hier eine Super-Alternative: Zum zweiten Mal präsentiert das Kunsthaus Außenseiterkunst aus Amerika. Die meisten Werke sind unabhängig, losgelöst von jeder Art des Akademismus. Für die Künstler ist ihre Arbeit Überlebensstrategie. Häufig sind sie Autodidakten, haben ohne Kenntnis künstlerischer Techniken und abseits der kunsthistorischen Tradition ihre autonome, höchst individuelle Bildsprache entwickelt. Aus ihren Bildern spricht – oder vielmehr schreit – der Widerstand gegen seelenzerstörende Zustände und gegen herkömmliche Schönheitsideale. Denn für die Phantasie und den Traum, aber auch für Halluzinationen und Wahngedanken gelten andere Regeln als für das realitätsbezogene rationale Denken.
Parallel zur Hauptausstellung zeigt das Kunsthaus Chicagos Wunderkammer „Bazaar Bizarre“ eine Sonderschau mit rund 70 Kuriositäten, darunter skurrile ‚objets trouvés‘ ebenso wie wunderlich-originelle Bilder und Plastiken. Diese zeugen von dem ebenso eigenständigen wie höchst exzentrischen gestalterischen Potenzial ihrer weitgehend unbekannten Schöpfer. Die ‚Ready-mades‘ und Werkschöpfungen erzählen von Chicagos Sammlungsgeschichte als eines der bedeutendsten Zentren der amerikanischen Außenseiterkunst. Die Auswahl der Bilder und Objekte wurde von dem Chicagoer Sammler und Autor William Swislow zusammengestellt.

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Gin-gredients
Botanischer Garten Universität Erlangen-Nürnberg
21. November 2019 – 2. Februar 2020

Lust auf Happy hour? Seit der Jahrhundertwende erfreut sich der Gin immer größerer Beliebtheit. Während früher die Niederlande mit dem Genever und England mit dem Dry Gin eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Gins spielten, so wird inzwischen in ganz Deutschland Wacholderschnaps mit unterschiedlichen Zutaten gebrannt. Auch in Franken, das traditionell als Land der Obstbrände gilt, experimentieren immer mehr regionale Brennereien mit verschiedenen Botanicals
Die Ausstellung „Gin-gredients“ zeigt im Botanischen Garten der FAU in Erlangen die pflanzlichen Grundlagen des beliebten Modegetränks. Neben den berühmten Wacholderbeeren als Grundlage des Gins gehören hierzu vor allem die Engelwurz, deren ätherische Öle aus der Wurzel eine feinherbe Geschmacksnote ergeben, oder der Koriander, dessen Samen eine säuerliche und fruchtige Note verleihen. Geordnet nach den verschiedenen Geschmacksprofilrichtungen des Gins kann man in der Ausstellung weitere Botanicals wie Zitrone, Zimt oder Zitronengras entdecken.
Schade: der selbst gebraute „Aromatix Gin“ zum 40. Geburtstags des Aromagartens, war leider binnen kürzester Zeit ausverkauft…

Nächste Führung: Sonntag 12. Januar um 11:00 Uhr, Gewürze im Gin

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Ingo Maurer, Zettel’z Laughing Buddha 1997/2018. Foto: Anna Seibel

Ingo Maurer intim. Design or what?
Pinakothek der Moderne – The Design Museum München
15. November 2019 – 1. Oktober 2020

Für alle Lichtgestalten: Ingo Maurer gehörte zu den vielseitigsten Lichtkünstlern unserer Zeit. Papier, Porzellan oder Plastikmäuse – er brachte sie zum Leuchten. Der im Herbst mit 87 Jahren verstorbene Designer interessierte sich für technische Neuerungen, für die er innovative Umsetzungen entwickelte: seine freihängende Glühbirne „Bulb“ war bereits 1966 radikal. 1984 schuf er eines der ersten Seilsysteme für Halogenreflektoren und 2001 die erste LED-Tischlampe. Seit dem Jahrtausendwechsel entstanden LED-Tische und LED-Bänke, seine legendären LED-Tapeten und -Decken. Der Pionier des Lichtdesigns setzte sich dabei auch immer auch kritisch, mitunter politisch mit diesen technischen Veränderungen auseinander. Denn die Qualität des Lichts und ihr Einfluss auf den Menschen waren ihm immer besonders wichtig.

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Gosho-Puppen von Koho YOSHINO – Klassische und zeitgenössische Kreationen
Siebold-Museum Würzburg
9. November 2019 – 1. März 2020

Für alle, die nicht mehr mit Puppen spielen: die weißglänzenden Gosho-Puppen mit ihrem stilisierten, disproportional großen Kopf und den runden Gliedern am kurzen dicken Körper strahlen einen eigenartigen Charme aus. Ihr mattschimmerndes, weißes Inkarnat erhalten sie durch den gofun-Anstrich aus pulverisierter Austernschale. Ihre große Zeit hatten japanische Puppen in der Edo-Periode (17. Jh.). Die meisten von ihnen werden aber noch heute hergestellt.
Die Puppen des Künstlers Koho Yoshino heben sich von anderen Gosho Ningyô dadurch ab, dass er erkannt hat, dass Tradition zwar sehr wichtig ist, diese aber allein nicht ausreicht. Yoshino nimmt etwas aus der Tradition und fügt Neues, Originelles hinzu. Heute fertigt er z.B. auch „Puppen“ mit Katzen- oder Kaninchenköpfen und Puppen, die Gestalten japanischer Volksmärchen sowie andere Charaktere darstellen.
Yoshino hatte eine langjährige Ausbildung bei einem Holzschnittmeister und einem Hofpuppenmeister, ist ein gefragter Lehrer und Gründernachfolger für Edo-Kimekomi-Puppen.

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Wer nicht tot ist, bitte klingeln…. Foto: Helmut Klotzeck

scheintot. Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden
Medizinhistorisches Museum Ingolstadt
17. Oktober 2019 – 13. September 2020

Für Zweifler und Kriminologen: Um 1800 beginnt die Wissenschaft, die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel zu ziehen. In ganz Europa haben Menschen Angst davor, lebendig begraben zu werden – bald entsteht eine regelrechte Hysterie um den „Scheintod“. Die Wanderausstellung aus Berlin zeigt, wie Ärzte und Naturwissenschaftler die Grenze von Leben und Tod neu zu bestimmen suchten. Sie führten ausgeklügelte Experimente mit Elektrizität durch und bauten mechanische Rettungsapparate für Grab und Sarg. In eigens errichteten Leichenhäusern wartete man so lange auf Lebenszeichen der Aufgebahrten, bis Fäulnis Sicherheit über den Tod brachte.

Für alle, die noch nicht scheintot sind und mal raus müssen:

Weihnachtsöffnungszeiten ausgewählter bayerischer Museen

Würzburg: Museum im Kulturspeicher, geöffnet am 26.12. und 06.01., jeweils 11-18 Uhr

Nürnberg: Eine Übersicht der Weihnachtsöffnungszeiten der Nürnberger Museen findet ihr hier

Augsburg: Kunstsammlungen und Museen Augsburg, geöffnet am 25.12., 26.12., 01.01. und 06.01., jeweils 10-17 Uhr

München: Städtische Galerie im Lenbachhaus, geöffnet am 25.12., 10-20 Uhr, 26.12., 10-18 Uhr, 01.01., 10-20 Uhr, 06.01., 10-18 Uhr

Abb. ganz oben: Ingo Maurer, Porca Miseria!, 1994. Photo: Stefan Geisbauer

Nathalie Schwaiger

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