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Zum 150. Geburtstag von Wassily Kandinsky

by Sabine Wieshuber

Er gilt als eine der großen Ikonen der Kunstgeschichte und als Schöpfer des ersten abstrakten Gemäldes überhaupt – die Rede ist von Wassily Kandinsky (1866-1944), dessen 150. Geburtstag wir an diesem Adventswochenende feiern. Der Russe mit den tollkühnen Ideen hat in Bayern ebenso seine Spuren hinterlassen wie die bayerische Landschaft Spuren in seinen Werken hinterließ. Auch heute können zahlreiche seiner Werke in bayerischen Museen bewundert werden. Wir stellen Ihnen vier Museen rund um Werk und Wirken des Malers vor.

Nach einer Karriere als Jurist in Moskau folgte er 1896 dem Ruf der Musen in die Kunststadt München. Hier studierte er unter anderem bei Franz von Stuck an der Akademie der Bildenden Künste und gründete mit einigen anderen Künstlerkollegen die Gruppe „Phalanx“. Dabei lernte er auch seine Lebensgefährtin Gabriele Münter kennen.

Gabriele Münter-Haus, Murnau

Hinaus aufs Land zog es das Paar im Sommer 1908 und so landeten Kandinsky und Münter in dem kleinen Örtchen Murnau am Staffelsee, wo sie gemeinsam wohnten und malten. Inspiriert wurden sie von der Berglandschaft rund um den Staffelsee und der Einfachheit des Landlebens gegenüber dem hektischen Treiben in der Stadt. Deshalb blieb es nicht bei einem Urlaub in der Sommerfrische – Münter erwarb 1909 ein Haus in Murnau, wo die beiden bis 1914 den Großteil ihrer Zeit verbringen sollten. Auch die Gründung der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ nahm hier ihren Ausgangspunkt: Befreundete Künstler wie Franz Marc, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, August Macke und Arnold Schönberg kamen häufig zu Besuch. Das bunte Treiben muss bei den Bewohnern des beschaulichen Murnau Eindruck hinterlassen haben – für sie war das Häuschen mit Blick auf den Staffelsee nur das „Russenhaus“. Dieses kann heute als Gabriele Münter-Haus besucht werden und ermöglicht das Eintauchen ins Leben und Arbeiten von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky.

Zum 150. Geburtstag von Wassily Kandinsky

Gabriele Münter, Das Russen-Haus, 1931, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Schlossmuseum Murnau

Wo sonst könnte man mehr über die künstlerische Beschäftigung mit der Gegend um den Staffelsee erfahren als im Schlossmuseum Murnau? Die Dauerausstellung spannt einen Bogen von der Siedlungsgeschichte des Marktes Murnau über die traditionellen Gewerbe wie der Wachszieherei oder der Hinterglasmalkunst und der Landschaftsmalerei im Alpenvorland seit dem 18. Jahrhundert bis hin zur expressionistischen Malerei der Künstler des „Blauen Reiters“.

Zum 150. Geburtstag von Wassily Kandinsky

Blick in die Ausstellung des Schlossmuseums, Bildarchiv Schloßmuseum Murnau, Foto: Stoess

Pinakothek der Moderne, München

Die Sammlung Moderne Kunst der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in der Pinakothek der Moderne zeigt mit Hauptwerken der Klassischen Moderne auch Arbeiten von Wassily Kandinsky, die sich von der Darstellung des Gegenständlichen lösen. Nach einer Andekdote soll Kandinsky die Idee eines rein abstrakten Kunstwerks gekommen sein, als er gedankenverloren ein falsch herum stehendes Bild in seiner Wohnung betrachtetete und statt des Motivs nur noch Farben und Formen erkennen konnte.

In der Pinakothek der Moderne wird zu Ehren Kandinskys eine Jubiläumsführung angeboten:

Wassily Kandinsky zum 150. Geburtstag
Sonntag, 4. Dezember 2016, 13:00 bis 14:00

Wassily Kandinsky, Sohn eines wohlhabenden Teehändlers aus Moskau, stand 1896 30jährig am Beginn einer glänzenden akademischen Karriere, als er sich „mit dem Gefühl einer Wiedergeburt“ entschloss, Malerei zu studieren und nach München überzusiedeln. Hier entwickelte er eine expressive abstrakte Malerei von epochaler Bedeutung. Seine Schaffenskraft und sein überragender Geist verließen ihn aber auch an seinen späteren Lebensstationen in Moskau, am Bauhaus und in Paris nicht. Sein Einfluss ist von nicht endender Strahlkraft.

Zum 150. Geburtstag von Wassily Kandinsky

Kandinsky am Schreibtisch, Ainmillerstraße 36, München, Juni 1913
Foto: Gabriele Münter
© Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung VG-Bild Kunst, Bonn 2016

Lenbachhaus, München

Das Lenbachhaus besitzt die weltweit größte Sammlung zum „Blauen Reiter“ und ist ein Muss für echte Kandinsky-Fans und solche, die es noch werden wollen. Über 90 Ölbilder und mehrere hundert Aquarelle und Zeichnungen Kandinskys sind seit 1957 Teil der Sammlung – als Bestandteil der Schenkung Gabriele Münters. Unter dem Motto Der Blaue Reiter kehrt zurück wurde die Präsentation der Sammlung neu angegangen und zeigt nun die ganze farbenprächtige Vielfalt der Künstlergruppe. Ihrem 1912 herausgegebenen Almanach „Der Blaue Reiter“ ist ein eigener Raum gewidmet und ermöglicht ein digitales Blättern in dem berühmten Buch, das den Besuchern die Kunstauffassung des „Blauen Reiter“ näher bringt. Ein Grund zur Vorfreude ist sicherlich auch die kommende Ausstellung zu Gabriele Münters Œuvre mit Kunstwerken, die nun erstmals öffentlich präsentiert werden. Voraussichtlich wird die Ausstellung ab November 2017 im Lenbachhaus zu sehen sein.

Auch im Lenbachhaus wird zu Ehren Kandinskys eine Jubiläumsführung angeboten:

Wassily Kandinsky zum 150. Geburtstag. Der russische Künstler im Netzwerk seiner Beziehungen

Sonntag, 04. Dezember, 14.30 Uhr und 16.15. Uhr Dauer: ca. 1,5 Std.

Zu Wassily Kandinskys 150. Geburtstag organisiert das Lenbachhaus zwei Sonderführungen mit der Kunsthistorikerin und Vermittlerin Dr. Angelika Grepmair-Müller. Die Führung ist der persönlichen Lebensgeschichte des Künstlers in Verbindung mit seinem sozialen, historischen und künstlerischen Umfeld sowie seinen Werken im Lenbachhaus gewidmet.

Zum 150. Geburtstag von Wassily Kandinsky

Wassily Kandinsky, Improvisation Klamm, 1914, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München

 

Abb. ganz oben: Kandinsky am Schreibtisch, Ainmillerstraße 36, München, Juni 1911, Foto: Lenbachhaus © Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, VG-Bild Kunst, Bonn, 2016

 

Anna Blenninger

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